Zugegeben, der Bausatz des Jahres 2017 sieht schon schön aus. Allerdings ist er für meinen Anwendungsfall etwas kurz, aber es gibt den Bausatz auch ohne Türmchen, so dass man die Halle verlängern kann. Da es sich um eine Fachwerkkonstruktion handelt, bietet sich an, die Naht unter eine der Balkennachbildungen zu legen und so zu verstecken. Also frisch ans Werk.
Leider sind die Wände und insbesondere das Gebälk nicht ganz symmetrisch. Das scheint zwar unkritisch,
ist es aber nicht, wenn der eine Bausatz 2 gleiche und der andere 2 spiegelbildliche Wände enthält.
Damit wäre die eine Seite ca. 1mm kürzer als die andere gewesen.
Glücklicherweise ließ sich dieses Manko durch eine Email an den Hersteller problemlos und schnell beheben.
Großes Lob dafür. Damit waren dann zwei spiegelbildliche, gleich lange Wände möglich.
Der verbindende Pappstreifen hat die gleiche Dicke wie die Kleberänder der Fensterrahmen, so dass die
verstärkende Innenwand später plan aufliegt.
Eine Sache störte mich aber noch: Bei jedem Fachwerkbau, den ich kenne (und ich wohne selbst in einem),
befinden sich über und unter den Fenster- und Türöffnungen horizontale Balken.
Sonst würde ja beim Öffnen eines Fensters das darüberliegende Mauerwerk den Fensterausschnitt fallbeilartig wieder schließen.
Glücklicherweise lässt sich das durch Abschälen eines Streifens der obersten Putzschicht und
Ausfüllen mit einem Streifen Pappe (z.B. etwas Restfachwerk des 2. Bausatzes) relativ leicht beheben.
Mit etwas Farbe sieht das dann schon sehr ansprechend aus.
Da man durch das offene Tor ja hineinsehen kann, machen wir uns in Inkscape
noch einen Satz Innenwände (Download PDF),
kleben die auf 1mm Pappe und setzen sie ein. Auch ein Betonboden
wird so erzeugt und das Schuppengleis damit verkleidet, wobei auch noch eine Untersuchungsgrube
(Peco) Verwendung findet.
Etwas knifflig gestalten sich die Innenecken am Torgiebel durch den innenliegenden, ausgerundeten Rahmen
für den Torantrieb. Aber mit ein wenig perspektivischer
Verzerrung beim Zeichnen der Innenwände läßt sich auch das lösen.

Das im Bausatz enthaltene Dach ohne sichtbare Nahtstellen zu verlängern, ist bei der unregelmäßigen Struktur allerdings nicht möglich. Also wurde dies aus Schieferplatten von Kreativ3D neu angefertigt. Dort bekommt man auch passende Zuschnitte, da das Dach etwas länger als die Standardplatten ist. Natürlich braucht ein so langes Dach auch einen stabilen Unterbau. Da man diesen später durch das offene Tor sieht, sollte ein halbwegs glaubhaftes Gebälk erstellt werden. Anstatt mühsam Einzelprofile zu schneiden und zusammenzukleben, wurden komplette Dachbinder im CAD erstellt und bei 3dprint4moba gedruckt.
Als Pfetten werden Evergreen-Profile durch die vorgesehenen Bohrungen in den Bindern gezogen, mit Ausnahme der Firstpfette,
die aus Stabilitätsgründen aus einem Messingprofil besteht. Sind die Verbindungsstellen mit CA verklebt
(dünnflüssig, damit er in die Bohrungen hineinläuft), ist der ganze Unterbau auch ohne Dachhaut schon steif genug.
Darauf kommt dann 0,5mm Pappe und darauf die Schieferimitation.
In die Schlitze in den Seiten der "Laterne" werden dünne Evergreen-Streifen eingezogen. Damit wird der Lüftungsaufsatz
deutlich filigraner und nach unten offen, so dass nachher das Licht rausscheint.
Ein schwerwiegender (im wahrsten Sinne des Wortes) Fehler liegt allerdings im Unterbau des Wasserhäuschens:
Nimmt man an, dass oben ein Wassertank (Download PDF) eingebaut ist,
der rundherum noch Platz für einen Wartungsgang hat, würde der gefüllt ca. 40..50t wiegen.
Das tragen die darunterliegenden, umgerechnet 7m hohen Fachwerkwände so, wie sie dargestellt sind, keinesfalls, ohne auszuknicken.
Deshalb findet man im Internet auch kein entsprechendes Vorbild.
Im Gegenteil: das in solchen Fällen benutzte Mauerwerk wäre sogar deutlich dicker als eine normale Hauswand.
Hier ist für etwas mehr Realismus also Selbstbau angesagt.
Behält man die Fenster und die übrigen Maße bei, müssen lediglich die Wände 1:1 aus Mauerplatten ausgeschnitten werden. Um das dickere Mauerwerk anzudeuten, werden Fenster- und Türöffnungen innen etwas aufgedoppelt. Außerdem werden aus den nun überzähligen Wänden die Mauersockel abgeschnitten und auf die neuen Wände geklebt. Ein paar Streifen aus der Mauerplatte und "betonierte" Fensterstürze runden das Ganze ab.
Das Dach wird, damit es zum Schuppen passt, aus den gleichen Schieferplatten nachgebaut.
So sieht der Wasserturm schon deutlich solider aus.
Ein Schornstein, Regenrinnen und ein Wasserstandsanzeiger vervollständigen das Erschinungsbild.
Um den nun zugegebenermaßen sehr langen Baukörper etwas aufzulockern, wird seitlich noch ein Werkstattanbau hinzugefügt. Dieser wird aus 1mm Graupappe angefertigt, die - wie alle anderen Teile auch - gegen Feuchtigkeit mit Schleifgrund imprägniert wurde. Die Fenster stammen von Modellbahn Union, wurden allerdings mit einer Rasierklinge vorsichtig in der Dicke gedrittelt, damit sie realistischer aussehen.
Da der Anbau angenommenermaßen später zum Lokschuppen hinzugefügt wurde, ist er nicht in Fachwerk ausgeführt, sondern gemauert und verputzt. Auch das Dach wurde nicht mit Schiefer, sondern mit Teerpappe gedeckt. Diese ist im Modell mit 500er Schleifpapier nachgebildet, das in umgerechnet 1m (6,25mm) breite Bahnen geschnitten wird, deren Kanten schwarz gemalt werden. Diese Streifen werden nebeneinander aufgeklebt, da das Schleifpapier m.E. für eine maßstäbliche Kantenüberlappung zu dick ist.
Die Schornsteinabdichtung aus dünnem Papier (Kassenbon), Regenrinne (1mm Ms-Halbrundprofil) mit Fallrohr (0,75mm und 1mm Rundstab von Evergreen) und Fensterbänke aus 0,25x1,5mm Evergreen-Profil vervollständigen das Ganze.
Wenn man sich schon solche Mühe bei der Dachunterkonstruktion gibt, muss die Halle natürlich auch anderweitig detailliert sein.
Die Innenwände habe ich oben schon erwähnt, jetzt kommen noch verschiedene Ausstattungsdetails von Weinert, Modellbahn Union
und anderen dazu, um den Einblick durch das Tor interessanter zu gestalten.
Auch der Anbau bekommt seine Ausgestaltung: Die Werkzeugmaschinen sind Weißmetallteile von Langley Models und die Schmiede stammt von Modellbahn Union. In der Esse ist unter ein paar Stücken Echtkohle noch eine orange LED angebracht.
Damit man die Inneneinrichtung auch sieht, sind verschiedene Beleuchtungskörper und LEDs installiert, die von der WS2811-Platine im Turm angesteuert werden.

Damit lassen sich die Halle, der Anbau, die Außenlaternen am Tor und am Turm, das Schmiedefeuer und das Turmuntergeschoss
separat schalten. Mit einem dritten IC wären noch 3 weitere Lichter schaltbar, mal sehen, was mir noch einfällt.
Für Wartungszwecke sind die Dächer mit Magneten befestigt und damit abnehmbar.
Und zum Abschluß nochmal Fotos des fertigen Gebäudes: