Möglichkeiten, Weichen und Signale auf einer Modellbahn zu stellen, gibt es viele,
von elektromechanischen Bausatzlösungen (z.B. Uhlenbrock)
bis hin zu reinen Computerdisplays für Digitalsteuerungen.
In vielen Fällen wird aber doch eine Holz- oder Aluplatte mit mechanischen Tastern und Schaltern Verwendung finden.
Das bedeutet aber nicht, dass der Computer dabei keinen Einsatz hat: zumindest für die Planung und Erstellung des 'Artworks' kann man ihn gut gebrauchen. Ich habe dafür das kostenlose Programm "Inkscape" eingesetzt, mit dem sich ähnlich wie z.B. in CorelDraw saubere Vektorgrafiken erzeugen lassen. Allerdings soll hier keine Programmeinführung geliefert werden.
Zunächst sollte man einige Standards festlegen (in Klammern meine Werte):
Als nächstes müssen die verwendeten Schalter, Taster etc. ausgemessen und maßstäblich aufgezeichnet werden,
einschließlich des Einbauraums unter der Platte sowie der erforderlichen Bohrungen oder Ausbrüche.
Die Grafikelemente sollten auf verschiedene Ebenen verteilt werden, so dass man die unterschiedlichen Informationen
ein- und ausblenden kann. (Vorsicht: Beim Gruppieren werden alle Elemente auf eine Ebene zusammengelegt.)
Der Mittelpunkt sollte dabei auf vorgegebenen Koordinaten liegen, um das Symbol gezielt plazieren zu können
Will man nicht mit zwei Masken arbeiten, empfiehlt es sich, die Fadenkreuze für die Bohrungsmittelpunkte kleiner zu machen als die zugehörigen Bohrungen, so dass sie beim Bohren verschwinden. Dann kann man sie zusammen mit dem Artwork ausdrucken.
Dann geht es daran, den Gleisplan auf das Raster bzw. Abstände und Winkel zu übertragen. Dabei sind Bedien- und Anzeigeelemente zu berücksichtigen und eventuelle Beschriftungen und andere Grafik. Idealerweise werden erst dann die Abmessungen der Platte festgelegt.
Unter Umständen ist auch die Unterseite mit einzubeziehen, wenn z.B. Elektronikbausteine oder Steckverbindungen unterzubringen sind. (vgl. die Rückmeldeanzeigen) Auch die Rahmenunterkonstruktion muss berücksichtigt werden, vor allem, was den Abstand zu Schaltelementen betrifft.
Liegt die Anordnung aller Komponenten (halbwegs) fest, können die Gleislinien gezeichnet werden.
Dieses sind einfache Linien mit fester Breite, deren Knoten man über die Rastfunktion oder direkte Koordinateneingabe
auf das Raster ausrichten sollte. An Knicken und Enden können ggf. Ausrundungen vorgesehen werden.
Ist eine farbliche Hervorhebung gewünscht, wird darüber eine zweite, schmalere Linie gelegt,
die an den Knoten der ersten Line ausgerichtet wird. An den Enden macht man sie etwas kürzer.
Die Linien sollten jetzt alle auf einer eigenen Ebene liegen und werden gegen unabsichtliches Verschieben verriegelt.
Die Symbole für Schalter und andere Elemente werden dann mit allen Ebenen (!) dupliziert (dabei bleiben die Ebenen erhalten) und an die gewünschte Position verschoben. Auch hier kann die Koordinateneingabe helfen, allerdings muss man dabei ggf. etwas rechnen, da Inkscape immer die linke obere Ecke eines Elements referenziert. Aber deren Position hat man ja im Originalsymbol.
Bei dem Schaltersymbol (2. von oben) ist der Mittelpunkt bei x=30mm und y=240mm und die Referenzecke (wird beim Auswählen angezeigt)
bei x=25,5mm und y=233,45mm. Um dieses z.B. auf x=85 und y= 27,5 einzusetzen gibt man daher in den
Eingabefeldern für x "85-4,5" ein und für y "27,5-6,55" ein.
Wenn man alles richtig gemacht hat, können jetzt über die Ebenenfunktionen die gewünschten Informationen ein- und ausgeblendet werden.
| (fast) alle Ebenen | nur Artwork | nur Bohrbild |
|---|---|---|
![]() |
![]() |
![]() |
| ohne Bohrungen ohne Fadenkreuze |
Gleise, Signale, Beschriftungen, Gebäude, Rahmen |
Bohrungen, Fadenkreuze, Rahmen |
Zunächst wird die Grundplatte (Alu oder anderes, geeignetes Material) auf das benötigte Maß geschnitten. Diese Platte darf nicht zu dick sein (max. 3mm), da sich sonst die Schalter und LEDs nicht ohne weiteres montieren lassen. Schlimmstenfalls muss man sonst die Unterseite mit einem größeren Bohrer entsprechend ansenken, was die Montage aber nicht einfacher macht.
Im Programm werden nun die Ebenen für das Artwork und für die Bohrungsmittelpunkte eingeblendet und alles andere ausgeschaltet.
Dann wird die Datei im Maßstab 1:1 auf selbstklebendes Papier ausgedruckt. Das Ergebnis wird auf die Grundplatte aufgezogen.
Zum Schutz gegen die Risiken des Modellbahnbetriebs sollte nun das Ganze mit Buchschutzfolie (selbstklebende Klarsichtfolie)
beschichtet werden, die man an den Kanten mindestens 1cm auf die Rückseite umschlägt.

Die Bohrungen werden anhand der Fadenkreuze angekörnt und dann - am besten mit dem Bohrständer - entsprechend dem Bohrbild gebohrt.
Da sich Alu an den Rändern leicht etwas aufwirft, muss danach oben und unten entgratet werden,
dabei auch die Folie mit einer scharfen Klinge sauber ausschneiden.

Jetzt können die Schalter und LEDs montiert werden. Dabei etwas Vorsicht beim Festschrauben, damit sich die Folie nicht verzieht. Bei den Schaltern kann man dazu die obere Mutter festhalten und von unten kontern.

Und dann viel Spaß beim Verdrahten...
Auf diese Weise lassen sich Stellpulte mit beliebigem, sauberen Erscheinungsbild herstellen.
Die Zeiten von Filzstiften oder Klebeband sind m.E. damit überholt.
Eine Steigerung wäre höchstens eine (mehrfarbige) Ausleuchtung der Gleisdarstellungen.
Dies ist nach dieser Methode auch möglich, allerdings müssen dazu Schlitze unter die hier farbigen Bereiche der Gleise
gefräst werden, was entsprechendes Werkzeug (Fräsmaschine) erfordert. (Ich habe das mal händisch versucht und kann nur abraten.)
Dies müßte dann allerdings vor dem Aufkleben des Artworks mit einem separaten Aufkleber erfolgen.
Theoretisch könnte man die Fräsdaten auch aus der Inkscape-Datei entnehmen, aber das wäre wieder ein ganz anderes Thema.